Jeder und jede muss Rückschläge verkraften. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage, weder beim Sport noch sonst im Leben. Natürlich ist es nicht immer einfach, die Motivation zu behalten. Aber es ist nicht unmöglich. Gerne erzähle ich euch mehr über meinen Weg, meine Motivationsquellen, mein Ziel – und ich gebe euch Tipps.

Was ist passiert?

Am 7. Juli 2018 habe ich mich beim Dreiländerkampf in St. Etienne (Frankreich) bei der Bodenübung am linken Knie verletzt. Bei der Landung nach dem Doppelsalto rückwärts gestreckt spürte ich sofort einen starken Schmerz im Knie. Dann die Diagnose: Abriss des vorderen Kreuzbandes und Teilabriss des Meniskus. Eine Riesenenttäuschung für mich! Ausgerechnet jetzt, wo ich super in Form war und mitten in der intensiven Vorbereitung für die EM und WM. Danach folgte die Operation. Sie verlief zum Glück ganz gut und ich bin erleichtert, dass dabei keine weiteren Verletzungen zum Vorschein kamen. Diese Knieverletzung hat mir einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Statt Training und Wettkämpfen ist nun Reha angesagt. Hier beginnt mein Weg zurück zum Sport.

Situation annehmen

Ich musste so schnell wie möglich die aktuelle Situation akzeptieren. Das ist der erste Schritt! Er ist nicht einfach, aber extrem wichtig, um sich nicht hilflos zu fühlen und nicht zu viel Energie zu verschwenden. Von meinem Mentaltrainer bekomme ich wertvolle Unterstützung, die mich weiterbringt und mir zeigt, dass zurückschauen nichts bringt. Rückschläge gehören einfach zum Leben dazu.

Handeln

Eine neue Situation zwingt uns, aus dem Gewohnten auszubrechen und auch den inneren Schweinehund zu überwinden. Mit einer Portion Ehrgeiz und Wille arbeite ich tagtäglich daran, meinen Zielen einen Schritt näherzukommen. Und genau diese Ziele motivieren mich auch immer wieder von neuem. Ich setzte mir dabei immer Meilensteine, also Zwischenziele, die ich bis zu einem bestimmten Termin erreichen will.

Natürlich steht die Reha zur Zeit ganz oben auf der Liste. Ein weiteres Ziel ist der Schulabschluss: Ich mache zur Zeit die Matura in einem Fernstudium. Zum anderen muss ich lernen, nebst dem Fokus auf den Sport auch zu geniessen, mich fallen zu lassen, abzuschalten und zum Beispiel die Jahreszeiten in vollen Zügen wahrzunehmen und auszukosten. Sobald ich mit voller Überzeugung sagen kann, dass diese Ziele erreicht sind, möchte ich mich auf die Teilnahme an Olympia im Jahr 2020 fokussieren. Denkt daran: Ohne Handeln bleibt alles nur eine Vision.

Tipp: Positive Thinking
Gedanken wie «das passiert immer mir», «wie hätte ich das verhindern können» oder «das halte ich nicht aus» führen zu Verzweiflung, Hilflosigkeit und Mutlosigkeit. Also bloss nicht so denken! Was mir in solchen Situationen hilft, sind positive Gedanken. Denn genauso wie negative Gedanken mich beeinflussen, können das auch positive Glaubenssätze. Ich sage mir immer «ich weiss, dass ich das schaffe», «ich habe bisher immer eine Lösung gefunden» oder ich erinnere mich an Situationen, die ich in der Vergangenheit erfolgreich bewältigt habe. Das gibt mir Kraft, Energie und Motivation.

Motivationsquellen

Nach diesem Rückschlag bin ich froh, dass ich ein gutes Umfeld habe: Ärzteteam, Physio, Turnverband, Familie, Turnkolleginnen und verlässliche Sponsoren als Partner. Sie alle, aber auch viele Pausen & Erholungszeiten sind für mich wichtige Motivationsfaktoren, besonders in schwierigen Zeiten.

Blick in die Zukunft

«Unser grösster Ruhm liegt nicht darin, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen, wenn wir gescheitert sind.» Diese Aussage des Philosophen Konfuzios begleitet mich als Motto. Denn mit dem Blick nach vorne kann viel bewirkt werden. Mit allem, was in meiner Macht steht, versuche ich Situationen ins Positive zu verändern. Ich schaue also mit entschlossenem Blick in die Zukunft!